Informationen

Geschichte

Mutter der Hospizbewegung

Die britische Ärztin Cicely Saunders gründete 1967 das erste moderne Hospiz. Noch heute prägen ihre Ideen die Palliativmedizin.

Saunders

„Es würde mich sehr wundern, wenn sie sich jemals von einem Ziel abhalten ließe, für das sie sich einmal entschieden hat“, schrieb eine Lehrerin über ihre Schülerin Cicely Saunders. Sie sollte Recht behalten. Als junge Krankenschwester im England der 40er-Jahre erlebte Saunders, wie todkranke Patienten mit ihrer Angst und ihren körperlichen Schmerzen allein gelassen wurden. Sie beschloss, dies zu ändern, und gilt heute als Gründerin der Hospizbewegung. 

1967 eröffnete Cicely Saunders im Südlondoner Stadtteil Sydenham das St. Christopher´s Hospiz. Sie war überzeugt: „Selbst da, wo wir nicht heilen können, bleibt uns unendlich viel zu tun, das Leiden jedes Einzelnen dieser Sterbenden zu lindern.“ Weltweit gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als ein Dutzend Heime für sterbende Menschen. St. Christopher´s ist bis heute Vorbild für inzwischen mehr als 8000 Hospize, die sich um Todkranke und ihre Familien kümmern.

Rund zwanzig Jahre zuvor hatte ihr David Tasma 500 Pfund hinterlassen mit den Worten: „Damit ich ein Fenster in deinem Haus werde.“ Er war Patient auf ihrer Station und lag im Sterben. Schmerzen und Einsamkeit quälten ihn. Saunders erfuhr, wie ihre Zuneigung, die gemeinsamen Gespräche und ihr Glaube ihm halfen, im Frieden mit sich selbst zu sterben. David Tasma war der Erste, mit dem die damals 30-Jährige darüber sprach, wie man Sterbende betreuen könne.

1918 in Südengland geboren, begann Saunders nach ihrem Schulabschluss in Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaft zu studieren. Doch als ein Jahr später der Zweite Weltkrieg ausbrach, verließ sie die Universität und ließ sich zur Krankenschwester ausbilden. Rückblickend erklärte sie, damals ihr „Heimat“ gefunden zu haben.

Während ihrer Schulzeit hatte sich das groß gewachsene, schüchterne Mädchen immer als Außenseiterin gefühlt. Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie beliebt, man legte Wert auf ihre Meinung und sie war gut, in dem, was sie tat- in der Fürsorge für andere. Den damit eingeschlagenen Weg

 

Ein Fenster

für Sterbende

 

sollte sie nicht mehr verlassen, auch nicht, als kurz vor Ausbildungsende klar wurde, dass sie wegen eines chronischen Rückenleidens nie als Krankenschwester würde arbeiten können. Sie ging kurzerhand zurück an die Uni und studierte Sozialarbeit für den Einsatz im Krankenhaus.

Cicely Saunders fand mit 27 zum christlichen Glauben. „Es war wirklich so, als ob man auf einmal den Wind im Rücken fühlt, nachdem man seit ewigen Zeiten gegen ihn angekämpft hat“, schrieb sie über ihr Bekehrungserlebnis. Die Begegnung mit David Tasma war für sie das Zeichen Gottes für ihre Berufung. 

Nach Davids Tod begann sie, neben ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin in einem Heim für Todkranke auszuhelfen. Dort lernte sie, wie wichtig für das Wohl der Patienten eine wirkungsvolle Schmerztherapie ist. Mit 33 beschloss sie, Medizin zu studieren. „Es war die Hölle“, gab sie mit der für sie charakteristischen Unverblümtheit zu. Aber sie wollte lernen, Leiden zu lindern.

„Ständiger Schmerz erfordert ständige Kontrolle“, schrieb Cicely Saunders Anfang der 60er-Jahre in einer medizinischen Fachzeitschrift. Nach Abschluss ihres Studiums 1957 erforschte sie in einem der wenigen Hospize Schmerztherapien mit Opiaten wie Morphium. Kern ihrer Therapie war, den Schmerz ständig unter Kontrolle und gleichzeitig die Patienten geistig rege und ansprechbar zu halten. Damit legte sie den Grundstein für die heutige Palliativmedizin, deren Ziel es ist, Lebensqualität zu erhalten, auch wenn Heilung nicht mehr möglich ist.

Nebenbei reifte ihr Konzept für ihr Hospiz. Über Jahre beriet sie sich mit Kollegen und Vertrauten, sammelte Geld und suchte Förderer. 1967 stand St. Christopher´s schließlich, rund um das Fenster von David Tasma. Seither werden dort Sterbende und ihre Angehörigen medizinisch und „spirituell“ betreut. „Das bedeutet zu lernen, ruhig zu sein, den Kranken dabei zu helfen, ruhig zu werden und sich daheim zu fühlen, damit sie ihre wahre Zuflucht im Herrn finden“, erklärte Saunders. Ihre Vorstellung war religiös geprägt, sie gründete aber explizit ein Heim für Menschen aller religiösen Bekenntnisse, ebenso wie für Nichtgläubige.

Heute betreut St. Christopher´s jährlich rund 2000 todkranke Menschen, ambulant und stationär. Cicely Saunders starb 2005 im Alter von 87 Jahren in dem von ihr gegründeten Hospiz.

Ute Zauft

Mit freundlicher Genehmigung des Sonntagsblatt
der evangelischen Wochenzeitung für Bayern
http://shop.sonntagsblatt-bayern.de/magazin/thema-am-ende-des-lebens/

Begriffserklärung

Hier finden Sie einige Begriffe zum Thema Hospiz erklärt...

Hospiz

kommt vom lateinischen Wort "hospitium" - "Herberge"

Man kann zwischen stationärem und ambulantem Hospiz unterscheiden. Stationäre Hospize sind kleine Einrichtungen mit wenigen Betten zur Versorgung und Begleitung sterbender Menschen durch speziell ausgebildetes Personal. Beim ambulanten Hospiz hingegen, kommt der ehrenamtlich tätige Hospizhelfer zum Patienten nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung.

Ausführliche Informationen zur Geschichte und Entstehung der Hospizbewegung finden Sie in unserer Rubrik "Geschichte"

Palliativmedizin

"Palliativ" kommt vom lateinischen Wort "palliare" -
"mit einem Mantel umhüllen“

Und genau so umhüllend und beschützend bemüht sich der Palliativmediziner und sein Team um den sterbenden Menschen. Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität ist.

Ziel der Palliativmedizin ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität bis zum Tod zu erhalten, d.h. die verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. In der Palliativmedizin steht der unheilbar kranke Patient und seine Angehörigen im Mittelpunkt. Dazu gehört die Behandlung von Schmerzen und anderen Beschwerden körperlicher, psychologischer und spiritueller Art. Symptome wie Schmerzen, Übelkeit, Luftnot, Verstopfung, Juckreiz, Unruhe, Angst oder Mundtrockenheit zu lindern, ist das Ziel des Palliativmediziners. Er sieht den Patienten in seiner Ganzheit und nimmt sich Zeit für ihn und seine Angehörigen.

Palliativmediziner finden Sie als Ärzte in niedergelassenen Praxen, auf Palliativstationen im Krankenhaus oder in Palliativ-Care-Teams (siehe auch Begriff SAPV).

SAPV

„Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung“

Seit 2007 regelt ein Bundesgesetz, dass jedem todkranken Patienten eine spezielle Betreuung zu Hause möglich sein muss.

Seit dieser Zeit kann jeder Patient, dessen Erkrankung austherapiert ist und der nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hat, nach seinem Wunsch einen ungewollten Krankenhausaufenthalt vermeiden.

Die Versorgung des Patienten zu Hause übernimmt das Palliativ-Care-Team. Es besteht aus Palliativärzten und Pflegekräften. Es ist 24 Stunden im Einsatz. Der Palliativarzt behandelt nicht die Krankheit. Sein Ziel ist die Linderung belastender Symptome. Das Team unterstützt den Patienten und die Angehörigen auch in kritischen Situationen. Die bisherige Versorgung durch den Pflegedienst und den Hausarzt muss nicht abgebrochen werden.

So wird dazu beigetragen, dass Menschen die extrem unter den Symptomen ihrer Krankheit leiden, dennoch zu Hause bleiben können. In Verbindung mit einer Hospizbegleiterin, die auch die Angehörigen entlastet, kann so dem sterbenden Menschen ein Krankenhausaufenthalt, wenn erwünscht, erspart bleiben.

Genauso kann das Team Patienten auch in stationären Pflegeeinrichtungen oder im Hospiz versorgen.

Für den Kreis Ludwigsburg besteht eine Anlaufstelle im Ludwigsburger Krankenhaus.

So erreicht man die SAPV Geschäftsstelle und Koordination:
Posilipostr.4
71640 Ludwigsburg
Tel.07141-99-60430
Telefax:07141-99-60438
E-Mail: 
lb.palliative-care-team@kliniken-lb.de

www.pct-landkreis-ludwigsburg.de

Geschäftszeiten Montag bis Freitag von 8 bis 16.30 Uhr.

Meistens wird dort auch die Kostenübernahme direkt mit der Krankenkasse geregelt. Alternativ kann auch der behandelnde Arzt die Antragstellung bei der Krankenkasse übernehmen.

Leitsätze

Die Leitsätze für die Hospiz- und Palliativarbeit, wie sie der DHPV (Deutscher Hospiz- und PalliativVerband) formuliert hat:

  1. Im Mittelpunkt der Hospiz- und Palliativarbeit stehen der schwerstkranke und sterbende Mensch jeden Alters und die ihm Nahestehenden. Sie benötigen gleichermaßen Aufmerksamkeit, Fürsorge und Wahrhaftigkeit. Die Hospiz- u. Palliativarbeit richtet sich nach den Bedürfnissen und Rechten der schwerstkranken und sterbenden Menschen, ihrer Angehörigen und Freunde. Einbezogen sind insbesondere auch die Belange der Kinder.
  2. Die Hospizbewegung betrachtet das menschliche Leben von seinem Beginn bis zu seinem Tode als ein Ganzes. Sterben ist Leben - Leben vor dem Tod. Im Zentrum stehen die Würde des Menschen am Lebensende und der Erhalt größmöglicher Autonomie. Voraussetzung hierfür sind die weitgehende Linderung von Schmerzen und Symptomen schwerster lebens-beendender Erkrankungen durch palliativärztliche und palliativpflegerische Versorgung sowie eine psychosoziale und spirituelle Begleitung der Betroffenen und Angehörigen. Diese lebensbejahende Grundidee schließt Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung aus.
  3. Sterben zu Hause oder in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, ist die vorrangige Zielperspektive der Hospiz- und Palliativarbeit. Der Ausbau ambulanter Strukturen, die Knüpfung regionaler Netzwerke und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen und Ehrenamtlicher sind hierfür Voraussetzung. Wenn eine palliative Versorgung zu Hause nicht oder nur begrenzt möglich ist, stehen voll- und teilstationäre Einrichtungen in Form von Hospizen und Palliativstationen - ggf. auch im Wechsel mit ambulanter Versorgung - zur Verfügung.
  4. Die Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung in ihren vielfältigen Gestatltungsformen sind damit wesentliche Bausteine im bestehenden Gesundheits- und Sozialsystem, die in enger Kooperation mit den anderen Diensten und Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialsystems eine kontinuierliche Versorgung sterbender Menschen gewährleisten. Sie bedürfen insoweit der entsprechenden Absicherung im sozialen Leistungsrecht.
  5. Zur Hospiz- und Palliativarbeit gehört als ein Kernelement der Dienst Ehrenamtlicher. Sie sollen gut vorbereitet, befähigt und in regelmäßigen Treffen begleitet werden. Durch ihr Engagement leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur teilnahme der Betroffenen und der ihnen Nahestehenden am Leben des Gemeinwesens und trage dazu bei, die Hospizidee in der Gesellschaft weiter zu verankern.
  6. Schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen, die der Versorgung und Begleitung bedürfen, brauche professionelle Unterstützung durch ein multidisziplinäres  Team, dem Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Ehrenamtliche u.a. angehören sollten. Für diese Tätigkeit benötigen sie spezielle Kenntnisse und Erfahrungen in der medizinischen , pflegerischen, sozialen und spirituellen Begleitung und Versorgung. Dies setzt eine sorgfältige Aus-, Fort- und Weiterbildung entsprechend den jeweiligen Qualifizierungsstandards, fortgesetzte Supervision und Freiräume für eine persönliche Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer voraus.
  7. Zur Sterbebegleitung gehört im notwendigen Umfang auch die Trauerbegleitung. 

Beschluss der Mitgliederversammlung vom 5.10.2007
Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V., Berlin - www.dhpv.de

Trauer

Trauerangebote der Kirchengemeinden, Caritas und Diakonie im Landkreis Ludwigsburg